1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

WWF: Wilderei in Welterbestätten

Katharina Wecker
19. April 2017

Elefanten, Nashörner und Tiger stehen kurz vor dem Aussterben, trotzdem machen Menschen illegal weiter Jagd auf sie. Selbst in den meist geschützten Gebieten der Welt sind die seltenen Tiere laut WWF nicht sicher.

Nashorn
Bild: picture alliance/dpa/Blickwinkel

Von den Galapagosinseln bis zum Serengeti-Nationalpark: In UNESCO-Weltnaturerbestätten leben viele gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tierarten. Sobald eine Region den Titel Welterbe erhält, sind Tiere und Pflanzen in diesem Gebiet automatisch geschützt. Fast ein Drittel aller verbleibenden Tiger und 40 Prozent der Afrikanischen Elefanten sind in den geschützten Gebieten zu Hause.

Genau deswegen sind die Weltnaturerbestätten so beliebt bei Wilderern. Nach einer Studie des World Wide Fund For Nature (WWF) plündern Wilderer in fast einem Drittel aller UNESCO-Stätten. "Weltnaturerbestätten sind die letzte Festung vieler kritisch bedrohter Arten", sagte Ashlian Tumer, Global Campaign Manager bei WWF, gegenüber der DW. "Doch trotz ihres Status wird weiterhin gewildert, illegal Holz geschlagen und illegal gefischt." Das Ausmaß hat sich in den vergangenen Jahren sogar vergrößert.

Es gibt insgesamt 203 UNESCO-Weltnaturerbestätten. Laut WWF wurden in 43 Welterbestätten bedrohte Tiere wie Elefanten, Nashörner und Tiger gewildert. In 26 Stätten wurde wertvolles Ebenholz und Palisanderholz illegal geschlagen und in 18 geschützten Meeresregionen wurde illegal gefischt.

Es gibt nur noch etwa 2500 Königstiger auf der WeltBild: Imago/Nature Picture Library

Letzter Zufluchtsort

Zwischen 1970 und 2012 ist der weltweite Bestand an Tier- und Pflanzenarten durchschnittlich um beinahe 60 Prozent gesunken. Illegaler Handel mit bedrohten Arten "war einer der Hauptgründe für den Verlust", so die WWF-Studie. 

Manche der gewilderten Tierarten sind mittlerweile so selten, dass ihr Überleben vom Schutz der Welterbestätten abhängt. In Indonesiens Stätte 'Tropical Rainforest Heritage of Sumatra' leben die letzten 100 Sumatra-Nashörner der Welt, und die 30 verbliebenen Kalifornische Schweinswale ihrer Art schwimmen in den geschützten Gebieten im Golf von Kalifornien.

Jäger und illegale Händler finden aber immer wieder ihren Weg in die geschützten Gegenden. Beispielsweise wird in über 60 Prozent aller Welterbestätten, wo Afrikanische und Asiatische Elefanten leben, gewildert. Tansanias Nationalpark 'Selous Game Reserve' hat bereits über 90 Prozent seiner Elefanten verloren, seit es 1982 von UNESCO den Titel Welterbe verliehen bekam.

Elfenbein von Elefanten ist in China heiß begehrtBild: Columbus Mavhunga

Verbrechen ohne Grenzen

Die WWF-Studie sei ein Warnsignal an die internationale Gemeinschaft, dass sie endlich etwas tun müsse, bevor es zu spät sei, sagte Remco Van Merm, der bei der Weltnaturschutzunion IUCN für UNESCO-Welterbestätten verantwortlich ist. "Illegaler Wildtierhandel, der es auf viele ikonische und bedrohte Tierarten abgesehen hat, ist eine weltweite Herausforderung, die nur durch gemeinsames, internationales Handeln gemeistert werden kann", sagte Van Merm der DW. "Es ist ein Verbrechen, das keine Grenzen kennt."

18 der Naturstätten werden bereits als "in Gefahr" eingestuft und in fast allen wird gewildert oder illegal Holz geschlagen. Derzeitige Kontrollmechanismen im Kampf gegen illegalen Handel mit Tier- und Pflanzenarten sind laut Studie "unzureichend".

WWF fordert die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, enger zusammenzuarbeiten. Örtliche Organisationen, Regierungen und die Vereinten Nationen müssten die gesamte Kette des illegalen Handels angehen. Das heißt, dass Kontroll- und Schutzmaßnahmen Hand in Hand mit Bildungsprojekten und stärkerer Strafverfolgung gehen sollte, um die Nachfrage zu dämmen. "Es ist sehr wichtig, dass Länder ausreichende Überwachungsmaßnahmen einführen und Strafen, die hart genug sind, um Kriminelle abzuschrecken", sagte Tumer.

Die Nepalesische Armee auf Kontrollgang im Chitwan-NationalparkBild: WWF-US/Narendra Shresth

Anwohner miteinbeziehen

Illegaler Handel lässt sich nicht beenden, solange die Wurzeln des Problems nicht behoben sind. In vielen Gegenden rund um Welterbestätten ist die Armut hoch, es fehlen Jobs. Wilderei und illegales Holzschlagen sind oft die einzigen Einkommensquellen.

Baumfäller in Madagaskar zum Beispiel verdienen bis zu 12 US-Dollar (11 Euro) pro Tag durch illegales Holzschlagen. Das entspricht etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Monatseinkommens. In Südafrika bekommen Nashornwilderer zwischen 500 und 20.000 US-Dollar, je nachdem, welche Rolle sie im Wildereiablauf spielen. Regierungen müssen deswegen alternative und nachhaltige Einkommensquellen schaffen, fordert der WWF. Das könnten Arbeitsplätze aber auch Profitbeteiligung sein.

Der Chitwan Nationalpark in Nepal gilt als Vorbild. Dort bekommen Anwohner die Hälfte der jährlichen Tourismuseinnahmen. Im Jahr 2014 wurden fast 1 Million Dollar (900.000 Euro) unter der örtlichen Bevölkerung verteilt. Damit entstanden Schulen und Straßen. Der Park wird von den Anwohnern mit geleitet. Sie fühlen sich verantwortlich, die Welterbestätte zu pflegen und die Tiere zu schützen.

Dank der Zusammenarbeit von Bevölkerung, Park-Rangern und Armee konnte der Nationalpark im Januar ein Jubiläum feiern: 1000 Tage lange wurden keine Nashörner, Elefanten und Tiger mehr gewildert. Im April gab es allerdings einen Rückschlag: Illegale Jäger töteten ein Nashorn.

Wilderei in Südafrika

02:23

This browser does not support the video element.

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen