XXL-Weltmeisterschaft 2026: Alles nur Show?
20. Juli 2026
Bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada hatte es der Fußball nicht leicht: Fragwürdige Entscheidungen der FIFA, sehr viele Show-Elemente und ein Finale, bei dem nur ein Team Fußball spielte: Spanien - ein verdienter Weltmeister nach insgesamt 104 Spielen bei dieser XXL-WM. Zum ersten Mal ist somit das Männer- und Frauenteam eines Lands gleichzeitig Weltmeister.
FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnete das Turnier als "das größte menschliche, gesellschaftliche und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt hat", während US-Präsident Donald Trump der FIFA zu dem gratulierte, was er als "die wohl erfolgreichste Veranstaltung aller Zeiten" bezeichnete.
Doch war es wirklich der beschriebene "beste Event der Menschheitsgeschichte"? Hier ist, was in Erinnerung bleiben wird.
Wie wurde das XXL-Turnier bei den Zuschauern angenommen?
Die Sorge vor leeren Stadien, vor allem in den USA, wo Fußball nicht die Sportart Nummer eins ist, erwies sich als unbegründet. Bereits vor den Viertelfinals strömten laut FIFA mit Blick auf die Partien in allen drei Ausrichternationen mehr als 6,25 Millionen Zuschauer in die Stadien - so viele wie nie zuvor bei einer WM.
Der Rekord überrascht allerdings nicht, denn erstmals standen 104 statt 64 Begegnungen auf dem Spielplan. Der Zuschauerschnitt lag bei rund 65.000 und laut FIFA waren 99,7 Prozent aller verfügbaren Plätze belegt. Vor allem in der Gruppenphase waren allerdings auch viele freie Sitze zu sehen.
Trinkpausen werden kritisiert
Kritik von den Fans gab es an den neu eingeführten Trinkpausen. Die meisten Trainer allerdings befürworteten die Unterbrechungen oder beschwerten sich zumindest nicht darüber.
Uruguays inzwischen ehemaliger Coach Marcelo Bielsa dagegen kritisierte die zusätzliche Möglichkeit zur Einflussnahme. "Vier statt zwei Halbzeiten zu spielen verändert die kulturell geprägte Vorstellung, die man sich vom Fußball gemacht hat", sagte er. "Diese Pausen geben dem Spiel nichts, aber nehmen ihm viel."
Gab es Überraschungen bei dieser WM?
Für viel Aufsehen sorgte der Auftritt von WM-Neuling Kap Verde. Das kleine afrikanische Land rang etwa Weltmeister Spanien ein 0:0 ab und scheiterte im Sechszehntelfinale nur knapp an Titelverteidiger Argentinien nach Verlängerung.
Die DR Kongo feierte ein 1:1 gegen Portugal mit Cristiano Ronaldo und Paraguay warf im Sechszehntelfinale Deutschland aus dem Turnier. Der kleinste WM-Teilnehmer Curaçao schrieb Geschichte und feierte erst gegen das DFB-Team den ersten Treffer bei einer Weltmeisterschaft sowie gegen Ecuador den ersten WM-Punkt überhaupt.
Preis-Irrsinn bei WM-Spielen
Die WM war teuer. Für Tickets, Hotelübernachtungen, Parkgebühren oder Flüge mussten die Fans teils tief in die Tasche greifen. Für zusätzlichen Ärger sorgten jedoch die Preise in den Stadien. In den USA mussten Besucher bis zu 20 Euro für ein Bier, mehr als 17 Euro für Pommes frites oder rund sieben Euro für eine Flasche Wasser bezahlen.
Auch in Mexiko waren Speisen und Getränke deutlich teurer als gewohnt. Im Aztekenstadion, wo das Eröffnungsspiel stattgefunden hatte, kostete ein Bier umgerechnet rund 15,50 Euro - fast so viel wie der gesetzliche Tagesmindestlohn in dem Land.
Welche Rolle spielte US-Präsident Trump?
Die Sorge, Donald Trump könnte die WM für seine politische Agenda nutzen, war groß. Schließlich hatte der US-Präsident das Turnier mehrfach zu seinem persönlichen Prestigeprojekt erklärt. Doch Trump ließ sich erst zum Endspiel im Stadion blicken und hielt sich während des Turniers weitestgehend bedeckt.
Und trotzdem sorgte der 80-Jährige für den größten Skandal bei diesem Turnier. Nach der Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun setzte er sich bei FIFA-Präsident Infantino erfolgreich für eine Überprüfung der Sperre ein.
Balogun durfte im Achtelfinale gegen Belgien spielen, für den Co-Gastgeber war das Turnier nach der 1:4-Niederlage gegen Belgien dennoch vorbei.
"Der heutige FIFA-Präsident hat sich Donald Trump unterworfen", sagte der frühere Weltverbandschef Joseph Blatter. Die Kritik an Infantino wird seine mögliche Wiederwahl im März 2027 als FIFA-Präsident aber wohl nicht gefährden.
Wie war die Sicherheitslage bei der WM?
Der Krieg im Nahen Osten oder Unruhen in Mexiko hatten im Vorfeld erhebliche Sicherheitsbedenken ausgelöst. Während die Spiele in Kanada und den USA weitgehend reibungslos verliefen, kam es in Mexiko mehrfach zu Zwischenfällen: Fans stürmten ein bereits überfülltes Fanfest in Guadalajara, nach einem Sieg der Co-Gastgeber fuhr ein Auto in eine feiernde Menschenmenge, zudem starben bei Jubelfeiern in Mexiko-Stadt mehrere Menschen.
Neben zahlreichen Fans, vor allem aus afrikanischen Ländern, wurde auch dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise in die USA verweigert. Der 34-jährige war trotz eines gültigen Visums abgewiesen worden.
Als Grund nannten die Behörden Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation in seiner Heimat Somalia. Immerhin: sein Gehalt soll der somalische FIFA-Schiedsrichter nach der Weltmeisterschaft trotzdem erhalten.
Wie war die Menschenrechtssituation?
Viele Menschenrechtsorganisationen haben der FIFA ein äußerst schlechtes Zeugnis ausgestellt. "Diese Weltmeisterschaft fand vor dem Hintergrund des repressiven Vorgehens der US-Regierung gegen Einwanderer statt", sagte etwa Minky Worden von 'Human Rights Watch'. Die FIFA habe es versäumt, gegenüber der US-Regierung ihre eigenen Menschenrechtsstandards einzuhalten.
Von der vermeintlich "inklusivsten WM der Geschichte" könne daher keine Rede sein. "Die FIFA hatte versprochen, dass sich jeder sicher fühlen kann. Die Wahrheit ist eine andere. ICE etwa hat die Zahl der Verhaftungen verdoppelt", sagte Daniel Noroña von 'Amnesty International USA'.
Ronan Evain von der Fanvereinigung 'Football Supporters Europe' kritisierte zudem die undurchsichtige Vergabe von Visa an Fans gerade aus nicht-europäischen Ländern. "Unsere Beobachtungen haben kaum oder gar keine Hinweise darauf ergeben, dass Ticketinhaber aus Afrika und Asien tatsächlich Visa für die Einreise in die USA erhalten haben", sagte Evain.
Wie geht es nach der WM weiter?
Für FIFA-Präsident Infantino ist eine weitere Vergrößerung der Weltmeisterschaft von 48 auf 64 Teams durchaus denkbar. Statt der aktuell 104 gäbe es dann 128 Partien. "Das ist auf jeden Fall ein Thema, das man nach dieser WM anschauen und in den Gremien diskutieren wird", sagte der Schweizer dem TV-Sender 'blue Sport'.
Trotz der großen Kritik an Infantino ist seine Position als FIFA-Präsident nicht gefährdet. Im Gegenteil: Mehr Spiele bedeuten mehr Geld, das er den Mitgliedsnationen auszahlen kann. Im nächsten Jahr wird Infantino voraussichtlich zum dritten Mal in seinem Amt bestätigt.