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Zäsur in Washington: Wie geht es weiter nach dem Eklat?

1. März 2025

US-Präsident Trump und sein ukrainischer Amtskollege Selenskyj brechen nach einem beispiellosen Eklat ihr Treffen im Weißen Haus ab. Aus Europa kommen Solidaritätsbekundungen für Selensky.

USA Washington 2025 | Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump sitzen nebeneinander im Oval Office, Trump wirkt wütend, Selenskyj schaut ihn an (Nahaufnahme)
Ein rauher Ton des US-Präsidenten (r.) war erwartet worden, nicht aber ein Eklat mit Selenskyj (l.)Bild: Andrew Harnik/Getty Images

US-Präsident Donald Trump schließt eine sofortige Wiederaufnahme von Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aus. "Er möchte sofort zurückkommen. Aber das geht für mich nicht", sagte Trump bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Eklat im Oval Office. Gleichzeitig machte Selenskyj klar, dass er sich nicht bei Trump entschuldigen wolle.

Die Antwort lautet: "Nein"

Auf eine entsprechende Frage in einem Interview des US-Senders Fox News antwortete Selenskyj: "Nein. Ich respektiere den Präsidenten, und ich respektiere das amerikanische Volk." Der Ukrainer betonte, dass man "sehr offen und sehr ehrlich" miteinander sein müsse. Und es sei wohl auch besser, einige Dinge hinter verschlossenen Türen zu besprechen - "bei allem Respekt für die Demokratie und für freie Medien".

Keine Entschuldigung: Der ukrainische Präsident Selenskyj verlässt das Weiße HausBild: Nathan Howard/REUTERS

Zuvor war es bei einem Treffen zwischen Trump und Selenksyj zu einem öffentlichen Zerwürfnis gekommen. Der US-Präsident machte seinem Gast vor laufenden Kameras lautstark Vorwürfe. Trump warf Selenksyj unter anderem vor, nicht ausreichend Dankbarkeit für die amerikanische Kriegshilfe zu zeigen. Das gemeinsame Treffen wurde abgebrochen.

"...Muss ich Ihnen nicht sagen..."

US-Medien berichteten, der Republikaner habe den ukrainischen Präsidenten rausgeworfen. Auf die Reporterfrage, ob Trump Selenksyj gebeten habe, das Weiße Haus zu verlassen, sagte Trump: "Das muss ich Ihnen nicht sagen." Er fügte hinzu: Selenksyj wolle keinen Frieden schließen. Er müsse aber "sagen, ich will Frieden schließen. Und, so Trump, er müsse auch sagen: "Ich will jetzt einen Waffenstillstand."

Trump machte sich am späten Freitagnachmittag (Ortszeit) auf den Weg in sein Anwesen Mar-a-Lago in Florida. Es ist offen, ob er in den kommenden Tagen für ein weiteres Gespräch mit dem Ukrainer bereit ist. "Das war kein Mann, der Frieden schließen wollte, und ich bin nur interessiert, wenn er das Blutvergießen beenden will", sagte er vor dem Abflug. Wenn die Ukraine nicht einlenke, dann müsse die Ukraine alleine weiterkämpfen, warnte er erneut. 

Rohstoffabkommen auf Eis

Auch die geplante Unterzeichnung eines Rohstoffabkommens kam nicht zustande. Das Abkommen, bei dem es unter anderem um den US-Zugang zu in der Ukraine lagernden seltenen Erden ging, war von Trump als wichtige Voraussetzung für einen Frieden in der Ukraine gesehen worden. Trump sieht den Zugang zu den Rohstoffen auch als Gegenleistung für bisherige US-Militärhilfen. 

Selenskyj erneuerte in dem Interview seine Sichtweise, dass ein Rohstoff-Deal zwischen den USA und seinem Land nicht ausreiche, um Putins Russland von einem erneuten Angriff abzuhalten. Putin habe bereits mehrfach Territorium angegriffen, auf dem US-Firmen tätig gewesen seien. Ein Rohstoff-Deal sei keine Garantie, er könne aber Teil der Infrastruktur von Garantien sein.

Pressekonferenz? Abgesagt.Bild: Saul Loeb/AFP/Getty Images

Solidarität aus Europa

Selenskyj erhielt nach dem historischen Schlagabtausch im Weißen Haus Unterstützung aus der Heimat und aus vielen Ländern Europas. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb auf X: "Niemand will Frieden mehr als die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine!" Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte vor Medienvertretern er denke, "es war richtig, dass wir alle vor drei Jahren der Ukraine geholfen und Russland sanktioniert haben und dies auch weiterhin tun werden".

Das Treffen zwischen Trump und seinem ukrainischen Kollegen war mit Spannung erwartet worden. Der Republikaner hatte Selenskyj bereits in den vergangenen Wochen mit teils haarsträubenden Beschimpfungen überzogen und ihn Diktator genannt - unmittelbar vor dem Besuch des Ukrainers hatte er aber seinen Ton abgemildert.

haz/ack (dpa, rtr, afp)

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