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Politik

"Nicht der richtige Weg zum Frieden"

Julien Adayé fm
18. April 2018

In Mali droht ein alter Konflikt zu eskalieren: Viehzüchter und Landwirte geraten aneinander, es gibt Tote und Verletzte, Tausende fliehen. Im DW-Interview ruft Malis ehemaliger Versöhnungsminister zum Dialog auf.

Fulani demonstrieren in Bamako, Mali
Junge Mitglieder des Hirtenvolks der Peul demonstrieren in Malis Hauptstadt BamakoBild: AFP/Getty Images/A. Risemberg

25 Menschen sollen im vergangenen Monat bei Auseinandersetzungen zwischen Landwirten und nomadischen Viehhirten in Mali gestorben sein. 3000 Menschen sind laut Vereinten Nationen in den vergangenen Wochen nach Burkina Faso geflohen, aus Angst vor weiterer Gewalt. Angeheizt wurde der Konflikt noch zusätzlich, als ein Bürgermeister kürzlich per Dekret alle Viehhirten aus dem Volk der Peul (auch Fulani genannt) aufgefordert hat, seine Stadt innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Die Regierung hat das für nichtig erklärt und Konsequenzen für den Bürgermeister angekündigt. Aber die Stimmung ist angespannt.

DW: Wie beurteilen Sie die Lage?  

Zahabi Ould Sidi Mohamed: Die Dogon sind Landwirte, die Peul Viehhirten. Den Konflikt zwischen diesen beiden Versorgungsweisen, also zwischen Viehzucht und Landwirtschaft, gibt es schon immer. Aber ich glaube nicht, dass man behaupten kann, diese Gemeinschaften hätten ein Problem miteinander. Sie haben schon immer gemeinsam auf demselben Gebiet gelebt.

Und dennoch vergleichen heute einige malische Bevölkerungsgruppen die Peul mit Terroristen oder beschuldigen sie, mit Dschihadisten im Bunde zu stehen. Warum werden sie stigmatisiert? Hat es damit zu tun, dass die Peul Muslime sind?

Zahabi Ould Sidi Mohamed war Versöhnungsminister in MaliBild: Getty Images/AFP/F. Batiche

Es gibt natürlich die Tendenz, zu generalisieren. Aber das geht nicht. Da gibt es vielleicht Probleme auf lokaler Ebene. Ich glaube nicht, dass die Peul als Terroristen abgestempelt werden. Das wäre übertrieben. Aber es gibt immer Leute, die Konflikte anheizen wollen. Und das ist sicher nicht der richtige Weg, um Frieden in die Sahel-Zone zu bringen.

Dafür muss man alle Menschen zusammenbringen, die willens und guten Glaubens sind, man muss mit ihnen einen gemeinschaftlichen Dialog anstoßen, alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen und Lösungen finden, die von allen akzeptiert werden können. Diese Gemeinschaften haben jahrhundertelang harmonisch zusammengelebt.

Was würden Sie tun um diese Konflikte zu verhindern, wenn Sie in der entsprechenden Position wären?

Die Verantwortlichen in Mali sind sich dieser Probleme durchaus bewusst. Und sie bemühen sich auch, sie zu lösen. Ich weiß, dass es  Schwierigkeiten gibt. Ich weiß auch, dass wir schon viel schwerere Zeiten durchgemacht haben.

Und ich weiß, dass sich das lösen lässt. Denn alle Malier sind sich bewusst, dass es die Einheit ihres Landes zu wahren gilt. Und alle Malier wünschen sich Stabilität und Sicherheit. Zumindest die große Mehrheit.

Viehhirte in MaliBild: Getty Images/A. Koerner

Sollte es eines Tages angestrebt werden, die Dogon zu entwaffnen? Sie benutzen ihre Waffen ja in den Konflikten mit den Peul.

Es wird keine Entwaffnung geben, die sich nur an eine Gruppe richtet. Das wird sich nicht nur an die Peul richten, oder nur an die Dogon, oder nur an die Tuareg oder die Araber. Wenn es solch eine Maßnahme gibt, dann garantiere ich Ihnen, dass sie alle Bürger in diesem Gebiet gleichermaßen betreffen wird, ohne Unterscheidung.

Zahabi Ould Sidi Mohamed ist ehemaliger Außen- und Versöhnungsminister Malis. Aktuell leitet er die nationale Kommission zur Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung von ehemaligen Kämpfern.

Das Interview führte Julien Adayé.

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