Zahl der Bücherleser sinkt dramatisch
28. August 2025
Es ist kein Rückgang, sondern ein Absturz! Eine umfassende neue Studie der Universität von Florida und des University College London hat ergeben, dass das tägliche Lesen zum Vergnügen in den Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren um mehr als 40 Prozent zurückgegangen ist. Ein "stetiger Rückgang von etwa 3 Prozent pro Jahr ist bedeutend und sehr besorgniserregend", so die an der Studie beteiligte Dr. Jill Sonke, Direktorin für Forschungsinitiativen am Center for Arts in Medicine der University of Florida in den USA.
Der Rückgang war nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt: Afroamerikaner, Menschen mit geringerem Einkommen oder Bildungsniveau und Menschen in ländlichen Gebieten verzeichneten den stärksten Rückgang, was laut der Studie die wachsende Ungleichheit beim Zugang zum Lesen verdeutlicht. "Zwar lesen Menschen mit höherem Bildungsniveau und Frauen nach wie vor häufiger, doch selbst innerhalb dieser Gruppen beobachten wir Verschiebungen", so Jessica Bone, eine leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin für Statistik und Epidemiologie am University College London. Auch diese Gruppen lesen weniger zum Vergnügen, sagt die Forscherin.
Wie viel lesen die Europäer?
Bevor irgendwelche Vorurteile oder Häme aufkommen: In Europa ist die Situation laut einer Eurostat-Umfrage auch nicht viel besser. Fast die Hälfte der EU-Bürger schafft es nicht, ein einziges Buch pro Jahr zu lesen. Auch in Europa sind die Bücherwürmer ungleichmäßig verteilt: Vor allem in Irland, Finnland, Schweden, Frankreich, Dänemark und Luxemburg werden gerne Bücher gelesen. Deutschland zählt eher zu den Lesemuffeln.
In Europa und den USA gibt es zudem deutliche Unterschiede hinsichtlich Alter und Geschlecht: Jüngere Menschen zwischen 16 und 29 Jahren lesen häufiger als die über 65-Jährigen, und Frauen lesen deutlich mehr Bücher als Männer.
Buch oder E-Book – wie lesen wir am liebsten?
Sicherlich, E-Book Reader sind sehr praktisch, leicht und anpassbar. Aber die überwiegende Mehrheit der Lesenden bevorzugt weiterhin das klassische Buch aus Papier mit Seiten zum Umblättern, das sie in der Hand halten, in dem sie Notizen machen und das sie nach dem Durchlesen ins Bücherregal stellen können.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass gedruckte Bücher in vielen Kontexten wichtige Vorteile gegenüber digitalen Formaten bieten. 2022 hatten Forschende der Universität Valencia Daten von insgesamt mehr 450.000 Teilnehmenden ausgewertet. Sie zeigen ein deutlich besseres Textverständnis und eine tiefere Verarbeitung des Textes etwa durch räumliche und haptische Signale, die beim Lesen von E-Books wegfallen. Besonders bei Kindern im Grundschulalter war dieser Effekt stärker ausgeprägt, dies bestätigte auch eine große Meta-Analysen von 2023.
Warum ist Lesen wichtig und gesund?
Lesen steigert die Intelligenz. Aber das hat nicht unbedingt etwas mit den gelesenen Inhalten zu tun. Vielmehr ist Lesen wichtig für die menschliche Entwicklung. Denn Lesen erweitert den Wortschatz und verbessert die Grammatik, es regt die Vorstellungskraft an und stärkt das Gedächtnis.
Beim Lesen lernen wir, Informationen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Wir lernen unterschiedliche Charaktere und Lebensgeschichten kennen oder versetzen uns in andere Perspektiven hinein. Das verbessert das Verständnis für unsere Mitmenschen und steigert unsere emotionale Intelligenz.
Wenn wir beim Lesen in andere Welten eintauchen, vergessen wir den Alltagsstress, die Herzfrequenz und der Blutdruck sinken (außer vielleicht bei Thrillern oder bei Gruselgeschichten). Weil das Gehirn stetig neue Informationen aufnehmen und verarbeiten muss, bleibt es im Alter länger fit und leistungsfähig. Lesen beugt damit auch Demenzerkrankungen wie Alzheimer vor.
Was soll man lesen?
Natürlich gibt es viele schlaue Bücher, durch die man sein Wissen erweitern kann. Wichtiger aber ist, dass man gerne und regelmäßig liest. Dann dürfen es auch Liebesromane, Sachbücher oder anspruchsvolle Literatur sein.
Besonders beliebt sind nach wie vor Krimis und Thriller, also die Mischung aus Spannung und düsteren Abgründen. Auch historische Romane haben ihre treue Leserschaft. Jüngere Menschen lesen gerne Fantasy und vor allem "New Romance", also Romane über junge Erwachsene, die sich mit Selbstfindung, ihrer Sexualität, ihrem Platz in der Welt und mit romantischen Beziehungen auseinandersetzen.