1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Zehntausende protestieren gegen Brexit

2. Juli 2016

Singen und tanzen gegen den Brexit: Zehntausende Demonstranten haben in London für einen Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union demonstriert. Ihre Kernforderung: Das Parlament soll das Brexit-Votum aufheben.

Proteste gegen Brexit in London (Foto: Reuters)
Bild: Reuters/P. Hackett

Die Straßen im Zentrum der britischen Hauptstadt ähneln einem Happening: Tanzend und singend zogen viele meist junge Leute vom Hyde Park zum Parlament. Viele von ihnen waren in EU-Flaggen gehüllt, andere schwenkten farbenfrohe Banner mit Slogans wie "Breverse" und "I'm with EU". Einige Demonstranten sangen "We love you EU". Der Sender BBC gab die Zahl der Teilnehmer mit etwa 40.000 an.

Die Veranstalter appellierten an das Parlament, jede Vorstoß zum Austritt aus der Europäischen Union zu unterbinden. Die Zukunft Großbritanniens liege in der EU. "Wir können den Brexit verhindern, indem wir das Referendum nicht als das letzte Wort akzeptieren und den Finger vom Selbstzerstörungsknopf nehmen", sagte der Organisator des Protestmarschs, Kieran MacDermott. Die nächste Generation dürfe nicht ins Abseits manövriert werden. Der drei Kilometer lange Marsch war unter dem Motto "March for Europe" über soziale Medien organisiert worden.

Vier Millionen Unterschriften

Derweil haben bereits über vier Millionen Briten eine Online-Petition für ein zweites Referendum unterschrieben. Allerdings hatte das zuständige Komitee im Unterhaus bereits Zweifel geäußert, ob alle Unterschriften gültig seien - es gebe "verdächtige Aktivitäten". Auch betonen alle derzeit maßgeblichen Politiker in London, es gebe kein Zurück. Das Votum von 17 Millionen Briten für einen Austritt aus der EU müsse umgesetzt werden. Bei der Volksabstimmung am 23. Juni hatten 52 Prozent für den Brexit gestimmt. In London hatten sich dagegen 60 Prozent für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Vor allem junge Wähler stimmten gegen den Brexit, während ältere Wähler überwiegend dafür votierten.

Derweil gehen die Machtkämpfe in den beiden großen Parteien weiter. Wie der Sender BBC berichtet, verstärken führende Vertreter der oppositionellen Labour-Partei den Druck auf den Vorsitzenden Jeremy Corbyn. Angeblich versuchen sie, dem 67-Jährigen einen ehrenvollen Abgang ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen. Parteiinterne Kritiker fürchten, mit Corbyn an der Spitze künftige Wahlen zu verlieren. Dagegen suchen die Konservativen weiter einen Nachfolger für Premierminister David Cameron, der nach seiner Niederlage beim Referendum für die nächsten Monate seinen Rückzug angekündigt hatte.

Austrittserklärung erst 2017?

My Picture of the Week - Großbritannien guckt in die Röhre

01:38

This browser does not support the video element.

Mehrere Kandidaten für die Cameron-Nachfolge sprachen sich inzwischen dafür aus, den Prozess zur Austrittserklärung des Vereinten Königreichs aus der EU hinauszuschieben. Die als Euroskeptikerin bekannte Innenministerin Theresa May und Justizminister Michael Gove sagten, sie erwarteten nicht, dass der Artikel 50 noch dieses Jahr aktiviert wird. Dieser Artikel der EU-Verträge regelt den Austritt eines Landes aus der Gemeinschaft. Damit er zum Tragen kommt, muss die britische Regierung aber erst einmal offiziell einen Austrittsantrag stellen. Wann dies geschieht, ist derzeit unklar.

kle/uh (dpa, ape, rtre, afpe)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen