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Afrika - der ewige Entwicklungskontinent

Elizabeth Shoo26. Mai 2013

Kriege, Krisen, Katastrophen - sie bestimmen hierzulande das Bild vom afrikanischen Kontinent. Doch Afrika hat viel mehr zu bieten. Der erste Deutsche Entwicklungstag will dazu beitragen, Klischees abzubauen.

Luftbalon mit Afrika-Aufdruck: Beim ersten deutschen Entwicklungstag lag der Fokus auf Afrika (Foto: DW)
Der erste deutschlandweite Entwicklungstag am 25. Mai 2013 fällt zusammen mit dem 50. Gründungstag der Afrikanischen Union.Bild: DW

Über 550 Organisationen, Institutionen und Vereine haben am Samstag (25.05.2013) am deutschlandweiten Entwicklungstag teilgenommen. Das Motto: "Dein Engagement. Unsere Zukunft". Am Bonner Münsterplatz konnten sich Besucher in über 25 Zelten informieren, wie sie sich vor allem für Afrika engagieren können: Der Kontinent ist Schwerpunkt des ersten Entwicklungstages.

"Wir haben Afrika mit unserem Entwicklungstag verknüpft, weil am 25. Mai der fünfzigste Jahrestag der Afrikanischen Union gefeiert wird", erklärt Bernd Krupp, Geschäftsführer von "Engagement Global". Das Unternehmen betreut Programme und Initiativen des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und hat den Entwicklungstag organisiert. 2012 sagte die Bundesregierung rund eine Milliarde Euro für die Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern südlich der Sahara zu.

"Es ist notwendig, Afrika als Chancen-Kontinent zu zeigen", ergänzt Gudrun Kopp, parlamentarische Staatssekretärin des Ministeriums, "weniger als Katastrophenkontinent." Man solle auch darüber reden, dass es von den 54 afrikanischen Staaten viele gibt, "die sich hervorragend entwickelt haben, eine hohe wirtschaftliche Entwicklung zeigen - und damit verbunden auch Jobs für junge Leute bieten."

Für 2014 hat der Internationale Währungsfonds ein Wirtschaftswachstum von 6,1 Prozent in den Ländern südlich der Sahara vorhergesagt. In Nigeria soll das Wachstum sieben Prozent betragen; gleichzeitig zählen Länder wie Simbabwe, Somalia und die Demokratische Republik Kongo zu den ärmsten weltweit.

Ein anderes Bild vom Kontinent vermitteln

Bei vielen Teilnehmern geht es darum, das Bild Afrikas in der Öffentlichkeit zu erweitern. Statt wie in der Vergangenheit oft hungernde afrikanische Kindern, werden nun vor allem erfolgreiche Entwicklungsprojekte gezeigt: Ein glückliches afrikanisches Kind, das endlich zur Schule gehen kann, weil es Paten in Deutschland hat, oder weil eine Hilfsorganisation die Schule gebaut hat. Frauen, die ihr eigenes Gemüse anbauen und sich damit gut ernähren können. Die Botschaft ist nicht mehr: "Diese Menschen brauchen unsere Hilfe", sondern: "Diese Menschen haben unsere Hilfe bekommen."

Viele Besucher, vor allem junge Leute, haben trotzdem vor allem das hilfsbedürftige Afrika im Kopf. An einem der Bonner Stände können Kinder auf Zetteln mit aufgemalter Afrikakarte schreiben, was sie sich für Kinder in Afrika wünschen. Die 11-jährige Miriam zum Beispiel wünscht sich, "dass die Kinder immer gut und viel essen können, immer ein ordentliches Dach über dem Kopf haben, ordentliche Kleidung bekommen und für harte Arbeit gut bezahlt werden." Sie war zwar noch nie in Afrika, wisse aber, dass dort viele Menschen an Hunger sterben. Sie habe es durch Bilder und Medien erfahren und von Freunden, die schon in Afrika waren.

Die elfjährige Miriam wünscht sich ein besseres Leben für Kinder in AfrikaBild: DW

"Wir zeigen unseren Zusammenhalt"

Von den Veranstaltern heißt es, man wolle nicht nur über Afrika, sondern mit Afrika reden. Deswegen seien auch afrikanische Akteure eingeladen. Doch die sind in der Minderheit. Am auffallendsten: die Gruppe "Clownschool for Life" aus Südafrika. Mit klassischen roten Clown-Nasen verkleidet, zeigen sie Tanzbewegungen auf der Bühne - dann ist das Publikum zum Nachtanzen eingeladen. Auch bei den anwesenden Organisationen und Vereinen aus Deutschland sind Menschen mit afrikanischen Wurzeln meist die Ausnahme.

Eine der wenigen ist Jackline Daris; sie kommt aus Kenia und studiert in Bonn. Hier ist sie Mitglied von Neema International, einem Verein, der sich um benachteiligte Kinder in Kenia kümmert. Mit den Spenden, die der Verein sammelt, bezahlen sie das Schulgeld für zwei Kinder aus den Slums von Kenias Hauptstadt Nairobi. "Wir fühlen uns sehr privilegiert, hier leben zu können, und deswegen möchten wir etwas an unsere Gesellschaft zurück geben." Auch Daris gefalle es nicht, dass oft noch das Bild vom armen Afrika gezeigt wird. Sie möchte deswegen ein anderes Bild darstellen. "Wir zeigen unseren Zusammenhalt und, dass wir kreativ sind und bereit sind, etwas für unser Leben zu tun."

Durch den Verein "Neema International" unterstützt Jackline Daris Kinder in ihrem Heimatland KeniaBild: DW

Smart Africa, Entwicklungsland Deutschland

Doch bei einigen Hilfsorganisationen findet bereits ein Umdenken statt. Das Bündnis "Gemeinsam für Afrika" besteht aus 24 Hilfsorganisationen, die verstärkt auf die "Potentiale Afrikas" aufmerksam machen möchten. Deshalb unterstützen sie unter anderem afrikanische Frauen mit Kleinkrediten. "Ein Programm, das gut läuft", sagt Bündnissprecherin Maike Just. "Man gibt zum Beispiel einer Frau einen Kleinkredit für eine Nähmaschine und sie kann sich damit langfristig selbstständig machen und sich selbst ernähren." Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten, funktionieren laut Just am besten. Diese beinhalten dann auch Gesundheitsthemen, zum Beispiel Informationen über den Zusammenhang zwischen Trinkwassernutzung und Cholerainfektionen.

Nicht nur Hilfsorganisationen sind beim Entwicklungstag vertreten. Mit dabei sind auch Vereine, die einen Dialog zwischen Deutschen und Afrikanern fördern wollen. Klaus Thüsing vom Deutsch-Afrikanischen-Zentrum findet, dass man aufhören solle, Afrika als Weltsozialfall zu erklären. Deshalb hat sein Verein eine zweigeteilte Postkarte mit der Überschrift "Smart Africa" entworfen. "In Afrika haben prozentual mehr Menschen ein Smartphone als bei uns", sagt Thüsing mit Blick auf den linken Teil der Postkarte. "Auf der anderen Seite zeigen wir Deutschland als Entwicklungsland, denn jeder vierte Deutsche hat keinen Schulabschluss."

Klaus Thüsing will zeigen, dass Afrika in manchen Bereichen weiter entwickelt ist als DeutschlandBild: DW

Der deutschlandweite Entwicklungstag ist eine Möglichkeit für Hilfsorganisationen zu zeigen, was sie in Afrika unternehmen - und wie sich andere engagieren können. Zwar will man eine frische Perspektive bieten und auf Potentiale sowie positive Entwicklungen aufmerksam machen, doch auch dadurch wird letztlich gezeigt, wo überall noch Hilfe benötigt wird.

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