Faktencheck: Schreibt die Trump-Regierung die Geschichte um?
27. August 2025
US-Vizepräsident JD Vance hat mit fragwürdigen Aussagen zum Ende des Zweiten Weltkrieges für Spott im Netz gesorgt. In einem TV-Interview,in dem er auf die Position der Trump-Administration zum russischen Krieg in der Ukraine angesprochen wurde, behauptete Vance, dass der Zweite Weltkrieg durch Verhandlungen beendet worden sei.
"Der Zweite Weltkrieg endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und Japans, nicht mit Verhandlungen", konterte der Account "Republicans against Trump" auf X,ehemals Twitter, und teilte einen Ausschnitt des Vance-Videos.
Das stimmt, denn der Zweite Weltkrieg endete mit der vollständigen Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8. Mai 1945, nachdem sich Nazi-Führer Adolf Hitler umgebracht hatte. Das mit Nazi-Deutschland verbündete Japan kapitulierte später im August, nachdem die USA Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten.
Das ist lediglich die jüngste Entgleisung der Trump-Administration in Bezug auf geschichtliche Zusammenhänge. US-Präsident Donald Trump selbst hat wiederholt historische Fakten verdreht, um sein eigenes Narrativ zu untermauern. Er setzt Museen unter Druck und hat sie dafür kritisiert, US-amerikanische Geschichte, insbesondere die Zeit der Sklaverei, in einem negativen Licht darzustellen.
DW-Faktencheck hat sich einige von Trumps kontroversen historischen Behauptungen einmal genauer angeschaut.
Trumps Onkel und der Unabomber
Ted Kaczynksi - besser bekannt als der "Unabomber" - war einer der bekanntesten inländischen Terroristen in den USA. Er tötete drei Menschen und verletzte 23 weitere. Dabei zielte er vor allem auf Wissenschaftler ab. In einem Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten verschickte er 16 Paketbomben.
Trump behauptete auf einer Veranstaltung in Pittsburgh, Pennsylvania im Juli, dass sein inzwischen verstorbener Onkel John, damals MIT-Professor, Kaczynski unterrichtet habe. Kaczynski selbst studierte jedoch zunächst in Harvard und später an der University of Michigan. Trumps Onkel starb im Jahr 1985, während Kaczynski erst 1996 verhaftet wurde. Trumps Story wurde von mehreren Medien widerlegt.
Irreführende Aussagen über Zölle und die Weltwirtschaftskrise
In einer Kabinettssitzung im Juli sagte Trump, die Weltwirtschaftskrise "hätte niemals stattgefunden", wenn die USA Zölle beibehalten hätten. Er behauptete, dass Zölle erst nach der Wirtschaftskrise wieder eingeführt wurden.
Die "Great Depression"begann 1929 und dauerte etwa ein Jahrzehnt an. Der Smoot-Hawley Tariff Actvon 1930, der eigentlich US-amerikanische Firmen stärken sollte, erhöhte Einfuhrzölle und löste eine Welle von Vergeltungszöllen von mehr als 20 Ländern aus. Dies verschlimmerte die globale Wirtschaftskrise. Zuvor hatte der Fordney-McCumber Tariffvon 1922 bereits Zölle auf importierte Güter erhoben.
Trump sagt, er habe vor einer Irak-Invasion gewarnt
Trump behauptet schon seit langem, dass er den Einmarsch US-amerikanischer Truppen in den Irak 2003 abgelehnt habe. Im Juni beteuerte ererneut: "Ich war entschieden dagegen, in den Irak einzumarschieren. Ich habe es laut und deutlich gesagt", sagte er auf dem Rollfeld neben der Air Force One. "Und ich habe tatsächlich gesagt: 'Geht nicht rein, geht nicht rein, geht nicht rein.'"
CNNund Buzzfeedberichteten bereits 2016, dass Trump 2002 im Gespräch mit dem Moderator der The Howard Stern Show seine Unterstützung für die Invasion ausdrückte. Als Trump während einer Townhall-Debatte mit dem CNN-Moderator Anderson Cooperdarauf angesprochen wurde, räumte er ein, dass er dies "gesagt haben könnte." Trump erklärte dann, dass er "als der Krieg begonnen hatte, gegen den Krieg war".
Die Washington Postpublizierte bereits 2016 einen Faktencheck zu Trumps Aussagen inklusive einer Timelinemit Kommentaren von Trump vor der Irak-Invasion 2003, und wies Widersprüche nach.
Trump will Geschichte in Museen umschreiben
Trump unterzeichnete ein präsidentielles Dekret, eine "Executive Order", die den Vize-Präsidenten als Vorstandsmitglieds des Smithsonian Board of Regents befähigt, "unangemessene, spaltende oder antiamerikanische Ideologie" von den Museen, Lernzentren und dem Zoo der Smithsonian Institution zu eliminieren, so ein offizielles Statement des Weißen Hauses.
Zur Smithsonian Institution gehören ein Zoo, 17 Museen in Washington D.C. und zwei in New York. 62 Prozent der Mittel sind staatlich finanziert.
Trump kritisierte die Smithsonian Institution auf Truth Socialdafür, dass der Fokus darauf liege, "wie furchtbar unser Land ist, wie schlimm die Sklaverei war und wie erfolglos die Unterdrückten waren".
Vor den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit nächstes Jahr hat die Trump-Administration acht Museen für eine Überprüfung vorgesehen, darunter das National Museum of American History sowie das National Museum of African American History and Culture. Sie müssen nun ihre Pläne für Ausstellungen, Bildungsmaterialien und digitale Inhalte einreichen. Weitere Museen werden in einer zweiten Phase überprüft, wie das Weiße Haus in einem Brief andie Smithsonian Institution mitteilte.
Letzte Woche veröffentlichte das Weiße Haus einen Artikel,der die Ausstellungen in den Museen kritisiert, die sich mit den Themen Rasse, Sklaverei, Sexualität und Immigration beschäftigen. Als Antwort darauf haben über 150 Kulturorganisationen sowie mehr als 300 Einzelpersonen ein Statement unterzeichnet,und ihr Engagement für künstlerische Freiheit und Widerstand gegen politischen Druck bekräftigt.
Obwohl in dem Statement Trump nicht explizit beim Namen genannt wird, erwähnt es wachsende Besorgnis über die Einmischung in Institutionen wie die Smithsonian Institution und das Kennedy Center.
Redaktion: Rachel Baig