Zinder - Nigers verlorene Jugend
28. Dezember 2022
Der Film spielt in Niger und beschreibt die Versuche von kriminell gewordenen Jugendlichen, wieder Fuß zu fassen in der Gesellschaft.
Der Bildungsstand ist niedrig, die Arbeitslosigkeit hoch, die Bedrohung durch die Terrorgruppe Boko Haram allgegenwärtig. Zinder ist die zweitgrößte Stadt in Niger. Besonders im armen Stadtviertel Kara Kara schließen sich viele junge Männer in sogenannten "Palais" zusammen.
Auch Bawa gehörte einmal einer solchen Jugendgang an und erzählt freimütig von seinen Verbrechen: Vieraugengespräche, die nichts beschönigen und gleichzeitig den unbeholfenen Umgang mit der eigenen Schuld offenlegen. Die Narben auf seinem Körper erinnern Bawa daran. Heute ist er Familienvater, verdient sein Geld als Fahrer eines Moto-Taxis und gehört einem "Palais" erwachsener Gewichtheber an, das einen verblüffenden Namen trägt: Hitler. Mit dessen Gedankengut hat die Gruppe jedoch nichts gemein.
Auch Siniya Boy stemmt in der Hitler-Gang Gewichte. Zu Beginn des Films ist er mit der Fahne seines "Palais" zu sehen. In jeder Ecke des Raumes prangt ein kleines Hakenkreuz, das den muskulösen Gewichtheber in der Mitte einrahmt. Ein seltsamer Anblick. Nach dem Grund dafür gefragt, weshalb die Regisseurin einen anderen Weg gegangen sei als er, antwortet Siniya Boy kurz, aber treffend: "Bildung."
Wie sehr diese in Kara Kara fehlt, verdeutlicht die Antwort, die er auf die Frage nach dem Namen seines "Palais" gibt. Hitler, das sei ein starker Typ aus Amerika, der sich von niemandem etwas sagen lasse und folgerichtig ein passender Name für eine Gruppe muskelbepackter Männer. Wenn die Kamera dabei ist, versuchen sie schon mal abwechselnd, ein Motorrad in die Höhe zu heben. Halbstarke Lausbuben in erwachsenen Körpern.
Entlang der Leben von drei Personen gleitet die Kamera durch die Straßen, blickt mal nach links, mal nach rechts und lauscht den Gesprächen. Sie ist am Gefängniszaun dabei, an dem Siniya Boy mit drei inhaftierten Mitgliedern seines "Palais" plaudert und im Rotlichtviertel, wenn eine Sexarbeiterin ihre Narben zeigt, die alle zuvor gezeigten Narben der Männer in den Schatten stellen. Auch das macht der Film deutlich: Hinter jedem Mann, der Gewalt erfahren hat, steht eine Frau, die noch mehr Gewalt erlebt hat. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen sich die Bewohner*innen Kara Karas selbst helfen.
Sendezeiten:
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