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"Zwei Drittel der Moldauer leben auf fremde Kosten"

23. November 2004

– Im Ausland arbeitende Bürger überweisen jährlich 900 Millionen Dollar an ihre Familien in der Heimat

Moskau, 6.11.2004, GASETA.RU, russ., Irina Aljoschina, aus Chisinau

Die Geldüberweisungen nach Moldova, die über lokale Finanzinstitutionen laufen, entsprechen vom Umfang her einem Drittel des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Tatsächlich ist jedoch die Summe der Gelder, die im Ausland arbeitende Bürger Moldovas ihren Familien zur Verfügung stellen, doppelt so hoch – die Hälfte wird auf illegalem Wege ins Land gebracht.

Nach Angaben der Vereinigung moldauischer Banken werden jährlich 900 Millionen Dollar nach Moldova überwiesen. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes entspricht 2,8 Milliarden Dollar. Vergleicht man diese zwei Zahlen, so entsprechen die Geldüberweisungen etwa einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts. Erstaunlich. In Russland beträgt das Bruttoinlandsprodukt z. B. 460 Milliarden Rubel, der Umfang aller Geldüberweisungen – im Land selbst, ins Land und aus dem Land – wird mit 4 Milliarden Dollar beziffert. Ungeachtet dessen ist die in Moldova entstandene Situation ganz einfach zu erklären: Geld wird ins Land von Bürgern Moldovas überwiesen, die im Ausland arbeiten und ihre Familien in der Heimat unterstützen. Deshalb ist der Umfang des ins Land fließenden Geldes tatsächlich viel höher als die gesamten Geldüberweisungen, da lediglich 45 Prozent der Moldauer Geld ins Land auf legalem Wege überweisen.

Etwa die Hälfte der Moldauer ist gezwungen, im Ausland zu arbeiten – etwa 2 Millionen Personen. 55 Prozent begeben sich nach Russland. Hier verdienen sie im Durchschnitt 425 Dollar. Nach moldauischem Maß reicht das völlig aus, um eine Familie mit zwei bis drei Personen zu ernähren. Neben Russland arbeiten viele Moldauer in Italien. Dort ist man sehr an günstiger Arbeitskraft interessiert. Im Jahr 2002 hat die italienische Regierung sogar ein Dekret angenommen, das erlaubt, in italienischen Familien arbeitenden illegalen Einwanderern eine Aufenthaltsgenehmigung zu gewähren. Den Moldauern fällt es ganz leicht, sich in Italien anzupassen, da die moldauische (sic) und die italienische Sprachen ähnlich sind.

Auch Russland ist sehr an dieser Arbeitskraft interessiert. Die Einwohnerzahl Russlands geht von Jahr zu Jahr zurück. Am 1. September dieses Jahres betrug sie 143,7 Millionen Personen. Von Januar bis Juli ist sie um 458 000 Personen oder 0,32 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der Einwanderer in Russland um 2500 Personen, 0,2 Prozent, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2003 gestiegen. Dem Berater des russischen Premierministers, Aleksandr Potschinok, zufolge könnte bereits 2006 ein Defizit an Arbeitskraft entstehen, im Jahr 2010 die Zahl der Arbeitenden der Zahl der Rentner entsprechen. Deshalb können ausländische Einwanderer als Quelle dieser Arbeitskraft betrachtet werden, die helfen wird, das Wirtschaftswachstum zu fördern und das geplante Bruttoinlandsprodukt zu erreichen.

Angaben des russischen Amtes für Statistik zufolge belegt Russland nach den USA und Deutschland den dritten Platz was die Zahl der Einwanderer betrifft. In Russland sind heute mindestens 10 Millionen Gastarbeiter beschäftigt, die hauptsächlich aus Moldova, Tadschikistan, der Ukraine, Aserbaidschan sowie Vietnam und China stammen. (...) Experten der Internationalen Migrationsorganisation gehen davon aus, dass Bürger der GUS 90 Prozent der Gesamtzahl der in Russland arbeitenden Ausländer bilden. Gleichzeitig betrage die Zahl der legalen Einwanderer maximal 400 000. (lr)