Zwei Euro Döner, sticht!
9. Juli 2004
Irgendwann 1990 war es. Die Sonne schien auf den Alexanderplatz. Und wir aßen unseren ersten Döner. Genau erinnere ich mich an den würzigen Duft der ersten Begegnung. Verheißungen von Abenteuer, Freiheit und Autarkie schwangen bei jedem Bissen mit. Der Beginn einer langen treuen Liebe kündigte sich hier - auf Klassenfahrt in der (Döner-)Metropole - an. Für Freunde des drehenden Rostfleisches gibt es nun das handliche Döner-Quartettspiel: zum Spielen, Studieren, Mitnehmen und Faktenwissen ansammeln.
Elf Brüder und zehn Schwestern
Die Idee zum Spiel kam einer Gruppe vom Hannoveraner Designbüro "Pool 72" beim nächtlichen Berlinbesuch. Mit einem türkischen Bekannten vor Ort recherchierten sie dann mehrere Wochenenden lang zwischen Kreuzberg und Charlottenburg. "Mit dem Bekannten ging es um einiges schneller und auch lockerer", erzählt Leif Hesse. Von Berlins 1300 Dönerbuden sichteten die Designer letztlich rund 50 Imbisse. Die 32 schönsten haben es auf die Spielkarten ihres Quarttets geschafft.
"Die Gestaltung des Quartetts war uns wichtig, es sollte aber auch Spaß machen", erzählt Leif Hesse. Und dass es Spaß gemacht haben könnte, die Anzahl der Brüder einzelner Dönerbudenbesitzer in Erfahrung zu bringen (Spitzenwert: elf) oder die jeweilige Entfernung nach Istanbul auszurechnen, glaubt man sofort. Gespickt mit zusätzlichen Informationen ("Hat auch noch 10 Schwestern") bietet das Döner-Quarttet kurzweilige Unterhaltung für Dönerfreunde und retroverliebte Quarttet-Spieler.
Der erste Döner
Quartett-Spiele gibt es in Deutschland bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die erste Variante mit Autos kam aber erst 1952 auf den Markt. Knappe 20 Jahre sollte es da noch dauern, bevor Mehmet Aygün im März 1971 in seinem Lokal "Hasir" den ersten Döner Berlins verkaufte. Inzwischen werden allein in Deutschland Tag für Tag rund 1,15 Millionen Döner verzehrt. Pro Jahr werden damit in Deutschland knapp zwei Milliarden Euro durch Dönertaschen umgesetzt.
Der Umsatz des Döner-Quartetts dürfte trotz umfangreichen Medieninteresses weit darunter liegen. 3000 Stück bietet "Pool 72" in Zusammenarbeit mit dem Berliner Verlag "Die Gestalten" als Berliner Mitbringsel oder direkt im Internet an. Für 9 Euro 90 kann man natürlich auch vier Döner essen. Wir empfehlen den Balli Imbiss auf der Hermannstr. 79 in Berlin Neukölln. Der Besitzer hat übrigens "nur" sieben Brüder.