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2,6 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland

29. Oktober 2026

Vor 65 Jahren hat Deutschland ein Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen. Aktuelle Zahlen zeigen, wie sehr Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte inzwischen Bestandteil der Gesellschaft geworden sind.

Deutschland Berlin 2018 | Deutsche und türkische Flaggen zum Erdogan-Besuch
Seit dem Anwerbeabkommen von 1961 sind viele Menschen aus der Türkei nach Deutschland eingewandertBild: Dirk Sattler/IMAGO

In Deutschland haben im Jahr 2025 rund 2,6 Millionen Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte gelebt, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden anlässlich des Jahrestages mitteilte. Gut die Hälfte der Menschen (56 Prozent) sind selbst eingewandert. Die übrigen 44 Prozent wurden in Deutschland geboren. In der Gesamtbevölkerung machten sie 3,2 Prozent aus. Eine Einwanderungsgeschichte hat eine Person, die entweder selbst seit 1950 nach Deutschland eingewandert ist oder bei der dies auf beide Elternteile zutrifft.

Den Angaben zufolge waren unter den selbst Eingewanderten rund 125.000 Menschen, die von 1961 bis zum Anwerbestopp 1973 nach Deutschland gekommen sind. Ihr Durchschnittsalter lag 2025 bei 78 Jahren. Knapp eine halbe Million Menschen (484.000) kam in den Folgejahren von 1974 bis 1989. Eher wenig Einwanderung aus der Türkei (54.000 Personen) wurde im Zeitraum von 2008 bis 2013 verzeichnet.

Einwanderung hat verschiedene Gründe

Längst ist Arbeit nicht mehr das Hauptmotiv. Bei knapp zwei Dritteln (64 Prozent) der in der Türkei geborenen und nach Deutschland eingewanderten Menschen waren es familiäre Gründe wie Familiennachzug oder die Familiengründung. 15 Prozent nannten Erwerbstätigkeit als Hauptgrund, zehn Prozent Flucht, Asyl und internationalen Schutz. Nach Angaben der Statistiker spielten häufig mehrere Gründe eine Rolle.

Bereits im September gab es am Flughafen Düsseldorf einen Festakt zum 65. Jahrestag des Anwerbeabkommens. Dabei waren unter anderem der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (M.), und der türkische Botschafter in Deutschland, Gökhan Turan (rechts daneben)Bild: Elmas Topcu/DW

Knapp zwei Drittel (61 Prozent) der 15- bis 64-Jährigen waren im Jahr 2025 erwerbstätig. Überproportional waren sie in Reinigungsberufen, in Textil- und Lederberufen und im Metallbau vertreten, vergleichsweise gering dagegen in den Bereichen Recht und Verwaltung, Werbung und Marketing sowie bei Lehrenden und Ausbildenden. Insgesamt lag die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung bei 77 Prozent.

2025 besaß knapp jeder Zweite (48 Prozent) mit türkischer Einwanderungsgeschichte die deutsche Staatsangehörigkeit. Bei den selbst aus der Türkei Eingewanderten war der Anteil mit 28 Prozent aber deutlich geringer als bei den in Deutschland geborenen Nachkommen. Unter ihnen hatten fast drei von vier Personen (74 Prozent) einen deutschen Pass.

Dabei lebten etwas mehr Männer als Frauen türkischer Herkunft in der Bundesrepublik: 1,36 Millionen Männer (51 Prozent) und 1,29 Millionen Frauen (49 Prozent). Das Durchschnittsalter betrug der Statistik zufolge 42,0 Jahre.

Große regionale Unterschiede

Darüber hinaus gab es regional große Unterschiede. Fast drei Viertel (73 Prozent) lebten in vier Bundesländern, die meisten mit 32 Prozent in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg (18 Prozent), Bayern (12 Prozent) und Hessen (10 Prozent).

Ankunft der ersten türkischen "Gastarbeiter" am Flughafen Düsseldorf im November 1961Bild: Wolfgang Hub/picture alliance

Gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung, lebten die meisten Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte in Bremen (6,6 Prozent), Berlin (5,0 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (4,8 Prozent).

Das Anwerbeabkommen mit der Türkei wurde am 30. Oktober 1961 geschlossen, um den damaligen Arbeitskräftemangel in Deutschland zu ​beheben. Zuvor gab es bereits ⁠1955 ähnliche Abkommen mit Italien sowie 1960 mit Spanien und Griechenland.

gri/pg (kna, rtr, dpa, epd, afp)

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