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22. September 2006

Burkina Faso hält einen traurigen Weltrekord: Nur knapp 40% der Kinder des Landes werden eingeschult. Viele Burkiner sind deshalb Analphabeten. Und wer doch zur Schule geht, muss in drangvoller Enge lernen.

Weit ab vom Schuss: Auf dem Land ist Bildung MangelwareBild: Arsenijevic

In der Grundschule Gounghin Sud klingelt es zur ersten Stunde. Im Raum der vierten Klasse quetschen sich über hundert Schüler zu viert oder fünft auf die engen Holzbänke. Es ist dunkel. Die Läden sind wegen der Hitze und des Staubs geschlossen. Fensterscheiben gibt es nicht. Strom und Wasser fehlen. An der Tafel steht David Thiombiano und versucht, so gut es geht zu unterrichten.

Kinder in Burkina FasoBild: DW

„Es ist nicht leicht, 102 Schüler in den Griff zu bekommen, und hier Disziplin aufrechtzuerhalten. Schon wenn man morgens kommt, ist es laut und es wird geschrieen. Davon bekommt man Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, aber da muss man durch, denn das ist unsere Aufgabe.“

Landessprache – schwere Sprache

Bildung ist in Burkina Faso ein Luxusgut. Nirgendwo sonst auf der Welt besuchen weniger Kinder die Grundschule. Auf dem Land, wo die Menschen sehr arm sind, ist die Situation besonders schlimm. Zwar sehen die meisten Eltern ein, dass Bildung wichtig ist, aber sie können es sich einfach nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Denn auch wenn der Schulunterricht in Burkina Faso kostenlos ist – für Einschreibe- und Verwaltungsgebühren, für den Beitrag an den Elternverein, für Schulhefte und Stifte müssen die Eltern selbst aufkommen. Für viele ist das einfach unmöglich.

Reporterin interviewt Mädchen in Burkina FasoBild: DW

Ein weiteres Bildungsproblem ist die sprachliche Barriere. Die offizielle Unterrichtssprache Französisch beherrschen nur wenige gut genug, um in der Schule erfolgreich zu ein. Ouabo Nombré, Rektor an einer Grundschule in Barkuy Tinga, einem kleinen Dorf rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt, erzählt: „Das Niveau ist hier sehr, sehr niedrig. Die Schüler sprechen nur in Anwesenheit des Lehrers französisch und sobald sie hier raus sind, sprechen sie wieder in ihrer Muttersprache.“ Zum Beispiel in ‚Moore’, der in Burkina Faso am weitesten verbreitete Sprache. Und doch ist sie nur eine der rund 60 Sprachen des afrikanischen Landes ist.

Bildung im „Land der aufrechten Männer“

Vom Rest der Welt kriegen die Schüler in weiten Teilen von Burkina Faso, dem „Land der aufrechten Männer“, nur wenig mit. „Es gibt keinen Austausch mit anderen, kein Fernsehen, kein Radio, keine Zeitungen, einfach nichts.“ beklagt selbst der Schulrektor. Kein Wunder also, dass nur wenige Kinder den Sprung auf die weiterführende Schule schaffen. Nur etwa ein Prozent der Schüler studiert in Burkina Faso. Schuld daran sind nicht nur die dürftige Schulausbildung, sondern auch die mangelhafte Ausstattung der Hochschulen und die schlechten Berufsaussichten.

Hoffnung durch Hilfe

Vorzeige-Schule in Burkina FasoBild: dpa

Es gibt Konzepte, die Zuversicht nach Burkina Faso bringen. UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, unterstützt ein Netz von so genannten Satellitenschulen, in denen der Unterricht zweisprachig ist. So erhalten selbst Kinder in entlegenen Dörfern Zugang zu Bildung in einer Sprache, die sie verstehen. Projektleiter Traore berichtet stolz: „Dieses neue System wollen jetzt alle haben. Wir kommen mit den Bestellungen gar nicht nach. Das Ziel sind 3000 neue Satellitenschulen bis 2010, bislang haben wir ungefähr 260, also gibt es noch viel zu tun.“

Hoffnung macht auch das duale Ausbildungssystem, das deutsche Entwicklungshelfer ins Land bringen – die Kombination von Berufsschulen mit der Lehre in privaten Betrieben. Unterstützt von der GTZ, der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, und des DED, des Deutschen Entwicklungsdienstes, entstand in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsministerium in Bobo Dioulasso ein neues Berufsbildungszentrum. Drei Jahre dauert die Ausbildung in den Bereichen Automechanik, Holz- und Metallverarbeitung, sowie Elektronik und Elektrotechnik. Dieudonné Compaoré, der die Lehrlinge in einer Autowerkstatt betreut ist begeistert. „Das duale System ist wirklich perfekt, eine Ausbildung im Zentrum und hier in den Betrieben, das ist sehr gut. Die Lehrlinge helfen uns sehr bei der Arbeit und wir bringen ihnen auch etwas bei. So haben alle etwas davon.“

Mit vereinten Kräften will man Burkina auf die Sprünge helfen – damit es nicht weiter bildungspolitisches Schlusslicht bleibt.

Autoren : Anke Hagedorn, Yaya Boudani und Ouabo Nombré

Redaktion: Peter Koppen

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