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KonflikteOman

Zwischen Washington und Teheran: Omans schwierige Balance

29. Mai 2026

US-Präsident Donald Trump droht Oman mit einem Militärschlag. Dabei gilt das Sultanat als einer der wichtigsten Vermittler zwischen Washington und Teheran. Warum Maskat nun besonders unter Druck gerät.

An der Straße von Hormus liegen Schiffe vor Anker.
Viele Schiffe stecken in der Straße von Hormus festBild: REUTERS

Am Mittwochabend griff US-Präsident Donald Trump erneut zur verbalen Keule: Sollte Oman zusammen mit dem Iran die Straße von Hormus kontrollieren wollen, würden die USA einen Militärschlag gegen das Land an der Südspitze der Arabischen Halbinsel führen.

Damit reagierte er auf einen Bericht des iranischen Staatsfernsehens, demzufolge ein inoffizieller Entwurf für ein Abkommen zur Wiederherstellung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus existiere. Dieser sehe vor, dass der Iran und Oman den Verkehr in der Wasserstraße gemeinsam regeln sollten.
"Der Oman wird sich benehmen wie alle anderen oder wir müssen es in die Luft jagen", antwortete Trump auf die Frage, ob er ein solches Abkommen akzeptieren würde. 

Droht dem Oman: US-Präsident Trump, hier während einer Kabinettssitzung im Weißen Haus, 27.05.2026Bild: Samuel Corum/CNP/ZUMA/IMAGO

Oman, der traditionelle Vermittler

Die ungewöhnlich scharfe Drohung richtet sich gegen einen Staat, der seit Jahrzehnten diplomatische Kanäle im Nahen Osten offenhält. "Oman hat traditionell immer eine Vermittlerrolle zwischen den arabischen Golfstaaten und Iran gespielt", sagt Marcus Schneider, Leiter des Regionalprojekts für Frieden und Sicherheit im Mittleren Osten der Friedrich-Ebert-Stiftung in Beirut, im DW-Gespräch. Unter den Golfstaaten habe das Sultanat stets die engsten Beziehungen zu Teheran gepflegt.

Auch für Stefan Lukas, Gründer des Analyseunternehmens Middle East Minds, liegt darin die Besonderheit des Landes. "Der Oman ist einer der wenigen verbliebenen Staaten in der Region, die noch ein relativ stabiles Verhältnis zu fast allen Konfliktparteien haben", so Lukas zur DW.

Im Frühjahr 2026 vermittelte der Oman zwischen dem Iran und den USA. Im Bild: der omanische Außenminister Badr Albusaidi (r.) mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi, Genf, 26.02.2026Bild: Omani Foreign Ministry/AFP

Geografische Schlüsselposition

Mit seiner Lage an der Südseite der Straße von Hormus nimmt Oman eine Schlüsselrolle ein. Zugleich unterhält das Sultanat gute Beziehungen sowohl zu Washington als auch zu Teheran und wurde deshalb immer wieder zum Ort vertraulicher Gespräche. Noch Anfang des Jahres fanden dort Verhandlungen zwischen den USA und Iran statt. Sie scheiterten letztlich am tiefen Misstrauen beider Seiten.

Für Oman ist die Lage heikel. Das Land versucht, seine Rolle als neutraler Vermittler zu bewahren, gerät aber zunehmend zwischen die Fronten. "Seit Beginn des Krieges gehört Oman zu den Golfstaaten, die am stärksten auf Deeskalation drängen", sagt Schneider. Wie die übrigen Staaten der Region fürchte man, in den Konflikt hineingezogen zu werden.

Lukas spricht sogar von einem "Worst-Case-Szenario" für Maskat. Oman sei auf stabile Handelsbeziehungen mit China, Indien, Europa und den Nachbarstaaten angewiesen. Gleichzeitig erhöhe Washington den politischen Druck, während die Nähe zum Krieg die Sicherheit des Landes bedrohe.

Wenig spricht jedoch dafür, dass Oman tatsächlich eine gemeinsame Kontrolle der Straße von Hormus mit Iran anstrebt. "Iran stellt die Meerenge zunehmend als gemeinsames iranisch-omanisches Gewässer dar", sagt Schneider. In Oman selbst werde diese Vorstellung jedoch skeptisch gesehen. Eine aktive Beteiligung an solchen Maßnahmen würde den Interessen der übrigen Golfstaaten widersprechen.

Auch Lukas hält entsprechende Berichte für wenig glaubwürdig. Das Vorhaben sei "eher unrealistisch". Die Regierung in Maskat habe "absolut kein Interesse an einer gemeinsamen Kontrolle mit dem Iran". Entscheidend sei vielmehr eine sichere und störungsfreie Schifffahrt durch die Meerenge.

Blick auf die osmanische Halbinsel MusandamBild: REUTERS

Gegen jegliche Eskalation

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate betrachten Omans Sonderrolle seit Jahren mit gemischten Gefühlen. Einerseits profitieren sie von den Gesprächskanälen nach Teheran, andererseits begegnen sie Maskats eigenständigem Kurs mit Skepsis.

Gleichzeitig wächst in den Golfstaaten die Einsicht, dass sich dauerhafte Stabilität nicht gegen, sondern nur mit dem Iran erreichen lässt. "Der Iran ist gekommen, um zu bleiben", zitiert das Center for Strategic and International Studies (CSIS) ein unter Politikern der Region verbreitetes Wort. Das Institut argumentiert, wirtschaftliche Verflechtungen könnten langfristig die wirksamste Form der Abschreckung darstellen. Vor diesem Hintergrund erscheint Omans Dialogpolitik vielen Beobachtern inzwischen weniger als Sonderweg, denn als der mögliche Weg in die Zukunft.

Für Oman ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Das Land profitiert wie kaum ein anderer Staat der Region von stabilen Beziehungen zu möglichst vielen Akteuren. "Vor allem Oman sieht sich aufgrund seiner geografischen Lage an der Straße von Hormus besonders exponiert", sagt Schneider. Entsprechend groß sei das Interesse Maskats, jede weitere Eskalation zu verhindern.

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Negatives Echo auf Trumps Drohungen

Trumps Drohung gegen Oman wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Lage der USA. "Die jüngsten Drohungen Donald Trumps werden in der Region äußerst negativ aufgenommen", sagt Schneider. Viele Beobachter seien über die amerikanische Politik zunehmend ernüchtert. Die aggressive Rhetorik beschädige die Glaubwürdigkeit Washingtons.

Auch Lukas sieht darin vor allem ein Zeichen wachsender Unsicherheit. "Trumps Reaktion auf die Berichte lässt eher Rückschlüsse über die Lage im Weißen Haus zu", sagt er. Zugleich hätten die jüngsten iranischen Angriffe Zweifel an den amerikanischen Sicherheitsgarantien für die Golfstaaten verstärkt.

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Angriff unwahrscheinlich

Ein amerikanischer Angriff auf Oman gilt dennoch als äußerst unwahrscheinlich. Schneider verweist auf Gespräche mit omanischen Experten, die die Drohungen eher als Ausdruck von Frustration in Washington verstehen. Ein Militärschlag gegen einen langjährigen Partner und Vermittler würde den Einfluss der USA in der Region weiter schwächen.

Auch Lukas hält einen amerikanischen Militärschlag gegen Oman für wenig wahrscheinlich. Die politische und strategische Bedeutung des Sultanats als Gesprächskanal zwischen den Konfliktparteien sei dafür zu groß. Ein Angriff würde nach seiner Einschätzung nicht nur Oman treffen, sondern die diplomatischen Handlungsmöglichkeiten der USA in der gesamten Region erheblich einschränken.

Damit steht Oman vor einer schwierigen Aufgabe: Das Sultanat versucht, seine Souveränität zu bewahren, Gesprächskanäle offen zu halten und eine weitere Eskalation zu verhindern. Gerade in einer Region, in der Fehlkalkulationen zunehmend gefährlicher werden, könnte diese Vermittlerrolle aber wichtiger sein denn je.

Kersten Knipp Politikredakteur mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika
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